Damit unsere Vision von GENAWIF Wirklichkeit werden kann ist es wichtig, mit allen Interessensgruppen Kontakt zu pflegen, zu reflektieren und deren Bedürfnisse und Meinungen zu erfahren. Dazu gehören Wissenschaftler, die Privatwirtschaft, die Öffentlichkeit, und insbesondere die Politik, die ebenfalls im Austausch mit allen Interessensgruppen steht und zugleich den Gestaltungsrahmen für diese schafft. Daher haben wir uns Anfang April mit der Landtagsabgeordneten Ulla Thönnissen bei uns im Verein in der Lukasstraße getroffen. Frau Thönnissen ist Mitglied der CDU und engagiert sich neben ihrer Arbeit als Landtagsabgeordnete ebenfalls ehrenamtlich in verschiedenen Vereinen und ist auch Mitglied des Wissenschaftsausschusses in NRW, wodurch es viele thematische Anknüpfungspunkte zu GENAWIF gibt (https://www.ulla-thoennissen.de/).

Nachdem wir Frau Thönnissen unseren Verein vorgestellt hatten, haben wir zunächst über das Konzept des Vereins in Gegenüberstellung zu einem klassischen Start-Up gesprochen, und welche Gründe uns dazu bewegt haben, den Verein als Rechtsform zu wählen.

Neben der Gründung eines gemeinnützigen Vereins hätte es noch die Möglichkeit gegeben, ein klassisches Start-Up, also ein kleines mittelständiges Unternehmen (KMU) zu gründen. Details wie die Art und Größe des Unternehmens sind schon von Beginn an wichtig, da Förderquoten und Förderprogramme hiervon abhängen. Allerdings wollten wir nicht rein wirtschaftlich agieren, da man sich zwangsweise zur Erhaltung und zum Wachstum eines Unternehmens langfristig auf finanziell profitable Forschung fokussieren muss. Hierdurch wäre es z.B. nicht möglich gewesen, die derzeit noch nicht für die Anwendung bereite Forschung rund um Allicin weiter zu verfolgen, dabei haben Allicin und andere noch im Anfang befindliche Forschungsprojekte ein großes Potential in der Medizin oder der Landwirtschaft, wovon die Gesellschaft in Zukunft enorm profitieren kann.

Stattdessen haben wir den Verein als Organisationsform gewählt. Als Verein sind wir im Gegensatz zu einem KMU häufig auf Kooperationspartner für Förderprogramme angewiesen, was wir aber nicht als Nachteil sehen – im Gegenteil ist es ein großer Vorteil, da beide Partner von den Expertisen und Erfahrungen des anderen profitieren und sich daraus Synergismen ergeben, die alleine nicht zustande gekommen wären.

Wenn man unseren universitären Hintergrund betrachtet lag natürlich die Idee nah, es doch mit der Rechtsform eines klassischen Start-Ups zu versuchen, da gerade universitäre Start-Ups von sehr günstigen Gründungsbedingungen profitieren.

Zusätzlich sind viele Förderprogramme auf Hochschulen als offiziellen Antragssteller beschränkt, wenn es um Förderungen geht, die auf eine universitäre Ausgründung abzielen. Dieser Weg wäre für uns jedoch sehr ungewiss gewesen, da wir alle Energie in Förderausschreibungen investiert hätten, deren Erfolgsaussichten aufgrund der hohen Anforderungen, Konkurrenz und durch (in unserem Fall) noch fehlender Patente häufig sehr gering sind. Neben einer Idee braucht man einfach Glück, zu der richtigen Zeit im richtigen Antragstellerfeld erfolgreich zu sein, und darauf wollten wir uns nicht als einzige Chance verlassen.

Öffentliche und privatwirtschaftliche Forschung sind in der Regel zwei Karriereoptionen für Wissenschaftler*Innen, die uns vor der Gründung von GENAWIF auch zur Verfügung standen, wobei dies streng genommen nicht ganz richtig ist.

Durch das Wissenschaftszeitgesetz ist die Beschäftigung an einer Hochschule auf maximal 12 Jahre begrenzt, nämlich auf 6 Jahre vor der Promotion und 6 Jahre nach der Promotion. Danach kann ein(e) Wissenschaftler*In nur auf eine Entfristung hoffen, wobei nicht befristete Stellen sehr begrenzt sind (https://de.statista.com/infografik/25278/wissenschaftlicher-nachwuchs-an-hochschulen-mit-befristeten-vertraegen/ Bundesbericht Wissenschaftlicher Nachwuchs 2021, https://www.buwin.de/). Alternativ kann sich ein(e) Wissenschaftler*In bis zum Karriereende um Drittmittelfinanzierung bemühen, allerdings ohne Erfolgsgarantie. Die ganze Situation ist vielen wahrscheinlich unter dem Hashtag #ichbinhanna bekannt, welcher die Situation rund um Wissenschaftler*Innen im deutschen Wissenschaftssystem vor einigen Jahren in die öffentliche Diskussion gebracht hat. Auf der dazugehörigen Seite werden die Hintergründe hierzu sehr gut und detailliert dargestellt (https://ichbinhanna.wordpress.com/).

Das ist natürlich keine Perspektive, um sich niederzulassen oder eine Familie zu gründen, was letztendlich dazu führt, dass hochqualifizierte und motivierte Wissenschaftler in die privatwirtschaftliche Forschung oder ins Ausland abwandern, oder ihren Lebensunterhalt mit nicht-wissenschaftlichen Tätigkeiten bestreiten. Es ist allerdings auch klar, dass nicht alle Wissenschaftler*Innen an den Hochschulen ohne eine neue Art von nachhaltigem Gegenfinanzierungskonzept entfristet werden können.

To sum up, we could not have stayed at the University for much longer, and going into industry would have meant abandoning years of research started at the university, because there was no way to continue seriously with our ideas just with spare time after regular work without the required facilities.  Additionally, if we were to work with companies in our role as employees of the University, a significant proportion of money for contract research would go into overhead costs. On the one hand that is justified, because laboratory and administrative infrastructure support of universities needs to be paid for, but the project costs would be much less for a smaller association with a smaller infrastructure, resulting in more money for research instead for maintenance costs.

Wir sehen GENAWIF daher als ein Pionierkonzept, um eine Alternative bzw. ein Bindeglied für Wissenschaftler*Innen zwischen öffentlicher und privatwirtschaftlicher Forschung darzustellen, welches zur Nachahmung anregen soll. Hierbei muss sich der Verein nicht auf rein wirtschaftlich motivierte- oder auf Grundlagenforschung fokussieren, sondern kann beide Aspekte verfolgen, oder besser noch, sie kombinieren. Dies setzen wir z.B. bereits in Kooperationen mit verschiedenen Unternehmen praktisch um, zu denen wir zu gegebener Zeit und Entwicklungsreife mehr bekannt geben können.

Natürlich kann unser Verein nicht dasselbe leisten wie eine Universität, allerdings hat es auch Vorteile, eine kleine Organisation zu sein. Z.B. haben wir während der Universität Auftragsforschung für Firmen betrieben, wobei ein großer Teil des von der Firma zur Verfügung gestellten Geldes in Unterhaltungskosten für die Bereitstellung der universitären Infrastruktur geflossen ist. Das ist natürlich nur fair, denn Betriebskosten für Labor- und Infrastruktur müssen natürlich berücksichtigt werden. Diese sind bei GENAWIF durch unsere Organisationsgröße allerdings sehr viel kleiner, wodurch relativ gesehen mehr Geld in die eigentliche Forschung fließen kann. Neben unserer Netzwerktätigkeit und unserer Öffentlichkeitsarbeit haben wir mit Frau Thönnissen viel über vergangene Forschungsprojekte aus unserer Universitätszeit und über neue Forschungsprojekte gesprochen, die wir nun als Verein fortsetzen bzw. neu beginnen. Zusätzlich zu den noch fortlaufenden Allicin-Projekten sprachen wir z.B. über aktuelle Projekte zu Verwertungsmöglichkeiten von bislang noch ungenutzten biologischen Abfällen aus der Landwirtschaft, die Entwicklung neuer Düngerformulierungen, oder über die Bekämpfung von Pflanzenkrankheiten mit Hilfe von Naturstoffen. (die in diesem Artikel adressiert sind).

Frau Thönnissen hat darauf hingewiesen, dass es bei unseren Forschungsprojekten mögliche Anknüpfungspunkte zum Strukturwandelprogramm des Rheinischen Reviers und zur damit eng verbundenen Bioökonomie geben könnte (www.rheinisches-revier.de). Durch dieses Programm werden kurz gesagt Innovationen und neue Wertschöpfungen gefördert, um eine nachhaltige und klimafreundliche Wirtschaft im Rahmen des Strukturwandels rund um den Braunkohleausstieg im rheinischen Revier zu ermöglichen. Grundlage sind hierbei das „Kohleausstiegsgesetz“ aus dem August 2020 sowie das „Strukturstärkungsgesetz Kohleregion“, welches zum selben Zeitpunkt verabschiedet wurde.

Das Treffen mit Frau Thönnissen und ihre Anregungen nahmen wir direkt zum Anlass, um wenig später an der Auftaktveranstaltung ZukunftBio.NRW (https://www.zukunftbio.nrw/) in Düsseldorf teilzunehmen, bei der die Rahmenbedingungen des Wirtschafts- und Strukturprogramms vorgestellt wurden.

Jan Borlinghaus, 13.07.2022

The uncertain future for many Scientists and the non-profit organization as a link between public and private sector research

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